«Ich vermisse den letzten Song, bevor du aus der Kabine läufst»
Interview mit Ron Fischer
Ron Fischer, du hast nach sieben Saisons beim EHC Chur und über 200 absolvierten Partien deine Spielerkarriere beendet. Wie fühlt es sich an, jetzt als Team Manager an der Seite des Teams zu sein, statt selbst auf dem Eis zu stehen?
Es ist definitiv eine Umstellung, keine Frage. Als Spieler ist man in den entscheidenden Momenten direkt involviert und spürt die Energie des Spiels hautnah. Jetzt, als Team Manager, erlebe ich das Geschehen in einer passiven Rolle während des Spiels und kann höchstens mit Worten oder positiver Energie in der Garderobe Einfluss nehmen. Aber ich geniesse es sehr, weiterhin Teil des Teams zu sein und hinter den Kulissen die Jungs bestmöglich zu unterstützen.
Du hast letzte Saison mit dem EHC Chur den Schweizermeistertitel in der MyHockey League gewonnen und den Aufstieg in die Swiss League gefeiert. Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?
Das war einer der schönsten Momente meiner Karriere. Wir hatten eine unglaublich harte Saison hinter uns, und der Titelgewinn war der Lohn nicht nur für eine harte Saison, sondern auch für
sieben Jahre Einsatz, in denen viele Dinge passiert sind, die man sich kaum vorstellen kann. Da gehen einem tausende Gedanken durch den Kopf, sei es nach dem Aufstieg im Car zurück nach Chur oder in der Meisternacht. Man denkt auch viel an die harten Zeiten und dass es sich eben doch lohnt, nie aufzugeben.
Als Verteidiger hast du in deiner Karriere viel Verantwortung auf dem Eis übernommen, insbesondere in deinen letzten Jahren als Mitglied des Captain-Teams. Inwiefern unterscheidet sich deine neue Führungsrolle als Team Manager von der auf dem Eis?
Auf dem Eis führst du vor allem durch dein Spiel, durch Einsatz und Kommunikation mit den Mitspielern. Als Team Manager geht es mehr darum, die richtigen Rahmenbedingungen für das Team zu schaffen und dafür zu sorgen, dass alles rund um das Team reibungslos funktioniert. Das bedeutet, dass ich jetzt stärker organisatorisch tätig bin.
Du hast einen Grossteil deiner Juniorenzeit beim EV Zug verbracht und bist in Fribourg Gottéron auch in der National League aufgelaufen. Was hat dich 2017 zum Wechsel nach Chur bewogen und was macht diesen Verein für dich besonders?
Chur hat mir damals die Chance gegeben, eine zentrale Rolle in einem Team zu übernehmen. Ich wollte an einen Ort, an dem ich geschätzt werde und als junger Bursche schon Verantwortung übernehmen kann. Ein Ort, wo das Team und nicht nur die Rückennummer eine Rolle spielt. Es gibt hier eine echte Leidenschaft für das Eishockey, und die Unterstützung, die wir von den Fans bekommen, ist einmalig. Wer fährt schon mit 200 Auswärtsfans nach Seewen für ein Abstiegsspiel? Das hat mich von Anfang an begeistert und hat meine Entscheidung, nach Chur zu kommen, bestätigt.
Welche Momente aus deiner aktiven Zeit bei Chur wirst du nie vergessen?
Ich denke, die Meisternacht sticht schon sehr heraus. Das ist unvergesslich. Es sind aber auch sehr viele kleine Dinge, die einem im Alltag oder an Spieltagen wieder in den Sinn kommen.
Du hast als Spieler eine starke Bindung zu den Fans aufgebaut. Wie wichtig ist dir dieser Kontakt jetzt, wo du nicht mehr auf dem Eis stehst?
Der Kontakt zu den Fans ist mir nach wie vor extrem wichtig. Sie sind ein grosser Teil dessen, was den Verein ausmacht, und ihr Support gibt uns allen, Spielern und Mitarbeitern, viel Energie. Viele von ihnen waren vor uns da und werden dies auch noch sehr lange sein. Es ist wichtig, dies zu schätzen. Auch wenn ich nicht mehr auf dem Eis stehe, werde ich den Austausch mit den Fans aktiv pflegen. Sie sollen spüren, dass sie ein unverzichtbarer Teil des Teams sind.
Gibt es etwas, das du aus deiner Spielerzeit besonders vermisst?
Der letzte Song bevor du aus der Kabine läufst, die positive Nervosität, die Anspannung. Die Emotionen, die du auf dem Eis fühlst, sind unvergleichlich. Und natürlich vermisse ich es, direkt Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen zu können. Aber ich sehe meine neue Rolle auch als eine neue Herausforderung, bei der ich auf andere Weise zum Erfolg der Mannschaft beitragen kann.
Die junge Generation von Spielern im Verein sieht sicher zu dir auf, nicht nur wegen deiner sportlichen Leistungen. Welchen Rat würdest du jungen Spielern geben, die eine erfolgreiche Karriere anstreben?
Es ist wichtig, neben seinen spielerischen Qualitäten auch an seiner persönlichen Entwicklung zu arbeiten. Als junger Spieler bist du stets darauf ausgerichtet deine Hockey-Skills zu verbessern und ein möglichst guter Eishockeyspieler zu werden. Es gibt aber auch Dinge neben dem Eis, die dich zu einem kompletteren Spieler machen. Lerne aus deinen Fehlern im Alltag und auf dem Eis und arbeite an deinen Skills und deiner Person. Die harte Arbeit auf dem Eis und im Kraftraum sollte für einen jungen angehenden Profi ein Teil des Jobs sein. Er sollte jedoch nie vergessen, dass Eishockey auch viel eine Charakter- und Kopfsache ist. Manchmal braucht es ein wenig mehr Zeit und Entwicklung, bis man den Pokal in die Höhe stemmt.